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Mütterschulen für den Frieden

Initiatorln: Marika Lichter / Bereich: Gesellschaft

Sensibilisierungsmaßnahmen für die Gefahren des Extremismus und Strategien zur Bewältigung sollen in Kooperation mit Caritas Kärnten umgesetzt werden

Ein Projekt von „Frauen ohne Grenzen“ sind die Mütterschulen, die 2012 ins Leben gerufen wurden. Sie sollen Familienmitglieder für die Gefahr der Radikalisierung und Rekrutierung sensibilisieren. Zielgruppe sind Asylsuchende und Migrantinnen mit Kindern im Teenageralter. Ab September 2016 wird das Projekt „Mütterschulen für den Frieden“ nun auch erstmals in Kärnten umgesetzt - mit Unterstützung von Marika Lichter! Ziel ist es, auf die ersten Anzeichen von Radikalisierung kompetent zu reagieren und junge Menschen vor extremistischen Einflüssen zu schützen.

„Frauen ohne Grenzen“, 2002 in Wien gegründet, setzt sich für die Einbindung von Frauen in einen weltweiten Dialog für Sicherheit und Gewaltprävention ein – im persönlichen und im politischen Bereich. 2008 gründete „Frauen ohne Grenzen“ mit SAVE die erste globale weibliche anti-Radikalisierungsplattform, um besorgte Familien in ihren Präventionsbemühungen zu unterstützen. 2012 wurden schließlich die „Mütterschulen“ ins Leben gerufen und seither in vielen Ländern umgesetzt – von Tadschikistan bis Tansania, von Pakistan bis Indonesien.

Seit Herbst 2015 gibt es die Mütterschulen auch in europäischen Ländern. In Wien wurde ein solches Projekt mit Unterstützung von Marika Lichter, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins „Wider die Gewalt“ durchgeführt. Dabei konnten sechs Gruppen zu je 15 Frauen in Mütterschulen begleitet werden.

Projekt in Kärnten

Nun soll das Modell der Mütterschulen auch in Kärnten eingesetzt werden. „Es ist ein großer Bedarf vorhanden, wie wir von verschiedenen lokalen sozialen Einrichtungen bereits wissen“, sagt die Sozialwissenschafterin Dr. Edit Schlaffer, Gründerin von Frauen ohne Grenzen, die das Projekt in Kooperation mit der Initiative „Wider die Gewalt“ durchführt. „Mütter sind meist die ersten, die Anzeichen von Radikalisierung bei ihren Kindern wahrnehmen, daher ist der Ansatz der Mütterschulen ein sehr effizienter“, sind sich Dr. Edit Schlaffer und Marika Lichter einig. „Niemand kommt den Mechanismen der Rekrutierung näher als Mütter, sie sind wichtige, wenn auch unfreiwillige Zeuginnen des Abgleitens ihrer Kinder in den Extremismus“.

Die Mütterschulen richten sich an Asylsuchende und Migrantinnen, die bereits über Deutschkenntnisse verfügen und zumindest den ersten Einstieg in ihr neues Umfeld gefunden haben.

Frühwarnsignale erkennen

Ziel der Mütterschulen ist es, Mütter von heranwachsenden Jugendlichen für die Gefahren des Extremismus zu sensibilisieren. Im Fokus steht der Aufbau des Selbstvertrauens, Eltern-Kind-Dynamiken und Kommunikation mit Pubertierenden. Außerdem wird strukturelle und emotionale Unterstützung geboten, um die Heranwachsenden durch die herausfordernde Zeit der Adoleszenz zu begleiten, und sie vor extremistischen Ideologien zu schützen. Ziel ist es, Frühwarnsignale zu erkennen und damit effizient gegen radikale Einflüsse vorzugehen.

Außerdem sollen die Frauen gemeinsam in der Gruppe auch voneinander profitieren, zusammen Strategien erarbeiten, um selbstsicherer zu werden und auch Hilfe von außen zu suchen und anzunehmen.

Der Zeitplan in zwei Phasen:

  • 1. Phase/ Vorbereitung des Projektes:
  • Ab September 2016 wird das Projekt im Rahmen eines umfassenden Assessments vorbereitet, es werden lokale Partnerorganisationen, Mobilisierungskräfte und Trainerinnen identifiziert.
  • Die Programme werden maßgeschneidert an die lokalen Bedürfnisse der Mütter abgestimmt und angepasst. Dazu muss die Zielgruppe von etwa 40 Müttern gefunden werden.
  • Die Bedürfnisse der Mütter werden im Vorfeld in Einzelinterviews erhoben. Interviewt werden Mütter als auch lokale Entscheidungsträgerinnen. Auf Basis dieser Daten wird der Bedarf der Mütter erhoben.
  • Das Mütterschulen-Handbuch wird an die lokalen Bedürfnisse angepasst und das gesamte Material für die Umsetzungsphase vorbereitet.
  • Um die Rahmenbedingungen abzustecken, wird ein Bericht verfasst.
  • Mit der Polizei, mit Lehrkräften und SozialarbeiterInnen wird kooperiert.
  • 2. Phase/ Umsetzung:
  • Das Projekt Mütterschulen wird ab März 2017 umgesetzt und soll bis Ende August 2017 dauern.
  • Gestartet wird mit zwei Gruppen von je 20 Frauen an zwei verschiedenen Standorten. Dabei werden die Mütter von zwei Trainerinnen und einer weiteren Mitarbeiterin einmal wöchentlich in einer Sitzung von drei Stunden über einen Zeitraum von 10 Wochen begleitet und trainiert.
  • Das Team von Frauen ohne Grenzen dokumentiert und evaluiert die laufenden Mütterschulen-Gruppen regelmäßig. Dazu wird mit den Trainerinnen laufend Kontakt gehalten.
  • Um die Trainerinnen am aktuellsten Wissensstand zu halten, wird es einen Train the Trainer Workshop geben.

Weitere Infos finden Sie unter http://www.frauen-ohne-grenzen.org/projekte/laufende/42/ und http://widerdiegewalt.at