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Wir sind nicht Konsumenten der Zukunft Kärntens, ...

22 Mär, 2018 13:15 von Bernhard Pontasch in Go Carinthia

... sondern ihre Gestalter!

Wir sind nicht Konsumenten der Zukunft Kärntens, ...

Ich wollte unbedingt nach Abschluss meines Studiums in Graz ein paar Jahre nach Wien, um zu sehen, wie man in Wien arbeitet. Mein „Ausflug“ nach Wien war auf 2 – 3 Jahre angelegt, mit der Option, zu meinem Kärntner Arbeitgeber zurück zu kehren, aber auch mit der Möglichkeit, in Wien zu bleiben, falls es entsprechend besser passt. Die berufliche Entwicklung und damit auch die beruflichen Möglichkeiten waren in Wien topp. Ich habe aber für mich festgestellt, dass ich nicht der Typ bin, der auf Dauer in der Großstadt Wien leben möchte. Schon gar nicht in Hinblick auf Kinder.

Nach ca. 2,5 Jahren habe ich meine Rückkehr begonnen vorzubereiten. Die berufliche Option einer Partnerschaft mit meinem ursprünglichen Arbeitgeber hat sich dann kurzfristig zerschlagen. Für mich war aber klar, dass ich trotzdem unbedingt zurück nach Kärnten will, trotz aufkommenden Widerstandes meiner Frau. Das Kinderthema hat sie dann aber letztendlich auch überzeugt. Ich habe begonnen, die beruflichen Möglichkeiten in Kärnten zu sondieren. Dabei war ich durchaus auf einen gewissen Rückschritt gegenüber dem Status Quo in Wien vorbereitet, sowohl Position, Einkommen als auch Inhalt der Tätigkeit betreffend.

Berufliche Alternativen

Die berufliche Entscheidung hat letztendlich bestätigt, dass der Rückschritt in punkto Einkommen nicht eingetreten ist. Auch die in Wien bereits ausgeübte Position habe ich dann in Kärnten schnell erreicht, ebenso die Ansprüche hinsichtlich Arbeitsinhalte. Zudem haben sich auch relativ rasch berufliche Alternativen in Kärnten aufgetan, die ich aber letztendlich nicht weiterverfolgen musste. Genau das ist jedoch aus meiner Sicht ein wesentlicher Knackpunkt, natürlich abhängig von der Branche bzw. Position.

Im Beratungsbereich (in meinem Fall Steuerberatung) ist man deutlich ortsunabhängiger als im Managementbereich: es mag noch verhältnismäßig leicht gelingen, den einen, ersten Managementjob in Kärnten zu finden. Sollte sich jedoch herausstellen, dass dies nicht passt, ist es in Kärnten mangels entsprechender Dichte an ausreichend großen Unternehmen deutlich schwieriger, gleich um die Ecke einen adäquaten Job zu finden. Dies bedeutet dann sehr oft, zumindest pendeln oder wiederum Umzug mit der ganzen Familie.

Großes Potential

Ich habe meine Entscheidung, nach Kärnten zu gehen, keinen einzigen Tag bereut. Ich bin beruflich seit ca. 1,5 Jahre wieder regelmäßig tageweise in Wien. Ich könnte mir aber überhaupt nicht mehr vorstellen, ständig in Wien zu arbeiten und zu leben. Kärnten liegt geografisch sehr gut, was die Nähe zu Italien, Slowenien/Kroatien bis nach Deutschland (München) oder Graz/Wien anbelangt. Nachteilig ist Kärnten dann, wenn man weiter weg muss, insbesondere wenn man fliegen muss bzw. möchte.

In Kärnten gibt es tolle Unternehmen, aber mit deutlichem Potential nach oben. Sehr viel Luft nach oben gibt es im Tourismus. Einige Leitbetriebe zeigen vor, wie es gehen könnte. Mehr Zuversicht, Selbstvertrauen, unternehmerisches Denken und Eigeninitiative wären die Schlüssel zum Erfolg. Leider hat die Politik versäumt, den totalen wirtschaftlichen Niederschlag zu nutzen, um Kärnten zu einem Vorzeigeland zu entwickeln, mit Abbau der bürokratischen Hürden, Dynamik in den Ämtern, etc. Das frustriert eigentlich am meisten. Die Unternehmen arbeiten trotzdem vielfach sehr professionell und erfolgreich. Das zeigt vor allem auch die Exportquote sowie die F&E-Quote.

 

Den umgekehrten Weg gehen

Ich kenne ja nach wie vor sehr viele Exil-Kärntner, vor allem in Wien, aber auch solche, die seinerzeit als Jugendliche mit den deutschen Touristen mit nach Deutschland gegangen sind. Auffällig ist, dass all diese außerordentlich erfolgreich sind und durchwegs Spitzen-/Führungspositionen ausüben bzw. ausgeübt haben. Der Geist ist daher zweifelsohne da, kommt aber oft erst außerhalb Kärntens so richtig zur Entfaltung. Und viele die da sind, waren nie weg und braten daher im eigenen Saft, mit einer unglaublichen Verdrossenheit und Engstirnigkeit. Oft denkt man, Kärnten (verallgemeinernd) benötigt einen Psychiater, der den Leuten die Augen öffnet, wie schön es hier ist, welche Möglichkeiten es hier gibt und was man alles bewegen könnte, auf eine sanfte Tour (z.B. Südtirol).

Wir könnten uns ungemein weiter entwickeln, indem wir vieles abschauen und übernehmen könnten, ohne alles neu erfinden zu müssen. Aber auch da wäre wieder die Politik gefordert. 

Und natürlich wäre super, Leute aus Graz und vor allem Wien zurück zu APP zu bringen. Wir gehen auch bereits den umgekehrten Weg, dass wir Mitarbeiter ein paar Jahre in unsere Kanzlei nach Wien zur Ausbildung (und natürlich auch zum Arbeiten) schicken, die dann wieder zurück kommen sollten (falls nichts dazwischen kommt).

Kärnten ist der schönste Platz zum Leben, mit tollen Möglichkeiten zum Arbeiten und vielen tollen Leuten. Je mehr tolle Leute nach Kärnten kommen umso mehr kann man Kärnten, vor allem das Arbeitsumfeld aktiv entwickeln und weiter attraktiv machen.

Mag. Bernhard Pontasch ist Steuerberater und Geschäftsführer der APP Steuerberatung GmbH