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Macht Partizipation schlau?

2 Feb, 2017 11:31 von Alfred Rindlisbacher in Gesellschaft

Was Partizipation eigentlich ausmacht

Macht Partizipation schlau?

Partizipation ist miteinander reden. Partizipation ist einander zuhören. Partizipation ist eine Haltung. Partizipation ist Teilnehmen, ist Agieren auf Augenhöhe ... So könnte man fortsetzen. Stimmt alles, alles wichtig und richtig. Doch, was macht Partizipation eigentlich aus? Und, wozu überhaupt Partizipation?

Wenn ich an Gespräche mit Leuten aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft denke, dann fällt besonders auf, dass da zT ein Suchen und ein richtiges Sehnen [sic] da ist, dass sich Dinge auf eine bestimmte Weise verändern mögen. Dahin nämlich, dass die tägliche Arbeit in einem bestimmten Sinne einfacher wird oder besser gesagt leichter und - und das ist wichtig! - gleichzeitig wirksamer und effizienter.

Es sind also kaum die sachlichen Problemstellungen oder fachlichen Herausforderungen, die das Leben anstrengend und die Ergebnisse im Sinne der Protagonisten bescheiden machen. Es ist das ‚Dazwischen‘, das ‚Miteinander‘, die Agilität, die Qualität der Kommunikation und Interaktion, welche die Basis und das Öl im Getriebe jeder Zusammenarbeit und jedes Zusammenwirkens sind, und worauf es ankommt. Und wovon man sich oft genug mehr wünschen würde. 

Hier nun einige beispielhafte O-Töne aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft:

Beispiel Politik: „Es geht so nicht mehr weiter … dann wäre die Arbeit sachlicher und themenorientiert und das politische Wirken erfolgreicher, leichter und angenehmer. Wir könnten uns auch wirklich schwierigen Themen erfolgreich und ohne falsche Kompromisse widmen. Es muss sich was ändern. … wäre ein befreites und schönes Arbeiten!“
Beispiel Wirtschaft: „Klare Kommunikation hilft, endlich auf eine Ebene gemeinsamen Verständnisses zu kommen ... Räume, wo offener und ehrlicher Diskurs möglich ist … Management by Objectives, okay, muss sein, doch wie ich meine Ziele erreiche sollte egal sein … Ich bin zB eher am Abend kreativ und nicht immer nur von nine-to-five, doch da fehlt es u.a. an Vertrauen … Wir sollten mehr aufeinander hören … Es gibt ja neue Ansätze ...“
Beispiel Gesellschaft: „Ich bin stolz, wenn ich im Bürgerrat mitarbeiten kann und mach das gerne … ist für mich wie, wenn ich die Stimme, die ich bei der Wahl abgebe, zurückbekomme … Es ist erstaunlich, wie wir aus so unterschiedlichen Hintergründen in so kurzer Zeit zu so einem tollen Ergebnis kommen! … da erlebt man wirklich ein Miteinander.“


Worauf kommt es bei partizipativen Prozessen nun wirklich an?

Bei Partizipation, wie wir sie hier verstehen, geht es um Zusammenarbeit um Co-operation, um Co-laboration, um Co-creation um Co... – immer mit einem bestimmten Anspruch an Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Diese Form der Partizipation ist Voraussetzung für Agilität in und zwischen Unternehmen und eine neue Dynamik und Qualität im Öffentlichen Raum. Für Führungskräfte stellt es neue Anforderungen an ihr Führungsverständnis. Aber auch MitarbeiterInnen und BürgerInnen sind mehr als bisher gefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Und viele wollen das!

Diese Form bzw. diese Qualität des Zusammenarbeitens erfordert andere Strukturen in den Organisationen – viele sind schon am Suchen und Ausprobieren. Es wird nicht sehr erfolgreich sein, einfach zB holakratische Organisationssysteme zu übernehmen. Wichtiger ist es, solche neuen Zugänge zu verstehen, sich bewusst dafür zu entscheiden und dann MIT den Kolleginnen und Kollegen sorgfältig und schrittweise an die je eigene Situation anzupassen.

Partizipative Strukturen müssen und dürfen partizipativ entwickelt werden. Man kann sozusagen hineinwachsen. Und, wenn das mit der nötigen Aufmerksamkeit geschieht wird ‚der agile Anzug passen’!


Mehr Selbstverantwortung

Diese Form der Partizipation ist heute kein nice-to-have mehr, sondern eine Notwendigkeit und ein Gebot der Stunde. Sie erfordert mehr Selbstverantwortung von der Seite der Mitarbeiter und einen mutigen ersten Schritt von der Seite der Führungskräfte. Heraus aus der eigenen Komfortzone. Es gilt, Vertrauen in diese neuen Prozesse und ‚partizipativen Prototypen’ (Ausprobierenskultur) zu gewinnen: Sowohl für Führungskräfte und Führungsgremien aber auch für Mitarbeiter (oder Bürger). Es lohnt sich vielfach, sich auf diesen ersten Schritten begleiten zu lassen.

Im Archaischen Torso Apollos von Rilke heißt es an einer Stelle ohne moralischen Zeigefinger und auch an dieser Stelle passend: „… Du musst dein Leben ändern.“ Und ich möchte ergänzen: „Wir – in Kärnten - müssen unser Ändern leben.

Die Initiative für Kärnten ist für mich ein Aha!-Effekt und meinem Verständnis nach eine Einladung genau dazu! Darum bin ich dabei.

PS: In unserem kleinen Film von 2013, Nachhaltigkeit macht schlau …, für SUSTAINICUM, spielt Partizipation als Prinzip, als Weg und Kernstrategie eine zentrale Rolle. Wenn Sie sich sechs Minuten Zeit nehmen möchten, dann lade ich Sie ein diesem Link zu folgen.

Wir freuen uns auf Feedback!