lead image overlay

Auf dem „Holzweg“?

5 Dez, 2016 10:27 von Gilbert Waldner in Wirtschaft

Nach Heta-Einigung und neuen Rekordschulden erhebt sich die Frage: Wo liegen Kärntens Stärken? Wie kommt das Land heraus aus seinem Finanzloch?

Auf dem „Holzweg“?

Die rundum optimistische Stimmung beim Branchenschaufenster Holzmesse kam zuletzt nicht von ungefähr. Die hochmoderne und maximal automatisierte Kärntner Holzindustrie hat sich im Vorjahr an der abgesetzten Produktion gemessen hinter der Maschinen- und Metallbranche sowie der Elektronik auf Rang drei katapultiert und damit die Chemie überholt. 17,2 Prozent all dessen, was wertmäßig in Kärnten produziert wird, kommt aus der Holzindustrie. Nach Zuwachsraten von 25 Prozent im zweiten Halbjahr 2015 sind es im ersten Quartal 2016 immer noch 12,7 Prozent gewesen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut spricht vom „größten Wachstumsimpuls in der Sachgütererzeugung“, der im übrigen auch im ersten Quartal 2016 noch in beachtlicher Größe anhält.


Nach Zuwachsraten von 25 Prozent im zweiten Halbjahr 2015 sind es im ersten Quartal 2016 immer noch 12,7 Prozent gewesen. Um das Ganze auch betrieblich zu verorten, hier ein paar Beispiele: das Spektrum reicht von den Sägewerken Hasslacher Norica Timber ganz im Westen Kärntens bis zur Offner Holzindustrie im Osten, von Plattenerzeugern wie FunderMax und Tilly bis zu Griffner (Fertighäuser) oder Weißenseer (Niedrigenergiehäuser). Quasi materialisiert hat sich das Kärntner Holz-Knowhow im spektakulären, 120 Meter hohen Holzturm am Pyramidenkogel, der drei Jahre nach seiner Eröffnung schon über eine Million Besucher zählte.

Exportstarke Industrie

Die Holzindustrie war aber nicht allein dafür verantwortlich für das im Österreichvergleich überdurchschnittliche Wachstum der Kärntner Sachgütererzeugung. Auch die Elektronik legte mit Leitbetrieben wie Infineon oder Flex kräftig zu. Ebenso die nach kurzer Durststrecke sich wieder erholende Maschinen- und Metallbranche mit Leitbetrieben wie Mahle bzw. dem Joint Venture Bosch-Mahle Turbosystems, das ein beispielloses Wachstum hinlegt. Ein Großteil der beim AMS gemeldeten offenen Stellen im Bezirk Völkermarkt sind auf den Expansionsdrang des Autozulieferers zurückzuführen.

Entsprechend positiv entwickeln sich die Exporte. 2015 konnte erstmals die Schallmauer von 7 Mrd. Euro durchbrochen werden. Um 4,7 Prozent mehr haben Kärntens Betriebe ins Ausland geliefert als im Jahr davor. Die Außenhandelsbilanz (Exporte minus Importe) ist mit 1,1 Mrd. Euro im Plus. Damit liegt Kärnten an vierter Stelle im Bundesländervergleich. Unter den wichtigsten Exportländern liegt Deutschland neuerdings vor den USA nach wie vor unangefochten an der Spitze.

Schwächelnder Tourismus

Wer jedoch aufmerksam durch den Wirtschaftsbericht des inzwischen umgetauften, aber in beständiger Deutlichkeit die Kärntner Wirtschaftsentwicklung dokumentierenden Kärntner Instituts für Höhere Studien blättert, wird auch der dunkleren Seiten Gewahr werden. Da ist etwa der schwächelnde Tourismus, der in Kärnten im Vorjahr im Vergleich zu anderen Bundesländern unterdurchschnittlich zugelegt hat. Österreichweit übernachteten die Gäste um 2,5 Prozent öfter als 2014, in Kärnten nur um 0,6 Prozent. Dabei zeigte sich offenbar, dass das Plus vorwiegend auf Gäste aus dem Inland zurückzuführen ist. Die Übernachtungen von Ausländern nahmen sogar um 1,2 Prozent ab. Man wird sehen, ob sich die unsichere Lage am Südufer des Mittelmeers nicht nur punktuell, sondern nachhaltig belebend auf den heimischen Tourismus auswirken wird.

So wichtig die Fremdenverkehrsbetriebe für das wirtschaftliche Überleben der Täler sind, der Kampf um die Erhaltung von Wohlstand und Lebensstandard wird in Kärnten an anderen Fronten gewonnen. An der wirtschaftspolitischen Prioritätensetzung sieht man das leider nicht. Es gibt zwar ein Tourismusreferat in der Landesregierung, jedoch kein Industriereferat. Vergleicht man den Aufwand bei der Vermarktung Kärntens als Urlaubsland mit jenem als Technologie- und Industriestandort, dann verkehren sich hier geradezu die Verhältnisse. Da wird ja beinahe mit Kanonen auf die touristischen Spatzen geschossen, während Betriebsansiedlung und Standortmarketing für den vergleichsweise boomenden Industrie- und Technologiesektor unterentwickelt sind.